
Tourismus? Cool und vielfältig!
Warum entscheiden sich junge Menschen für eine Karriere im Tourismus? Was gefällt ihnen an der Branche und was wünschen sie sich vom Arbeitgeber? Wir haben vier junge Nachwuchskräfte gefragt

Ihr alle habt euch für eine Ausbildung oder ein Studium im Bereich Tourismus entschieden. Warum?
Moritz Clormann: Bei mir hat ein einwöchiges Schulpraktikum in der Murnauer Tourist-Info den Ausschlag gegeben. Dort konnte ich in viele Bereiche in der Tourist-Info reinschauen und erleben, wie der Beruf ist. Wie berate ich die Gäste, wie kommen die Gäste auf einen zu, wie läuft es da ab, wie sind die Menschen dort, wie ist das Team? Das hat mich überzeugt, und ich habe auch gemerkt, dass ich vom Typ her gut reinpasse – ich bin einer, der sehr gerne redet und sehr offen ist, das hilft in dem Job!
Ina Bergeaud: Meine Mutter arbeitet im Tourismus und hat mir schon früh gezeigt, was man alles machen kann, was für verschiedene Perspektiven es gibt. Ich hatte mir vorgestellt, dass ich im Tourismus viel mit Sprachen, anderen Kulturen, anderen Menschen zu tun haben würde, und diese Erwartungen wurden schon alle erfüllt. Die Branche passt auch zu meinem Charakter: Ich tausche mich gerne aus, realisiere neue Ideen, verfolge Trends. Regensburg ist mega schön, und es hat Spaß gemacht, Reisende in meiner Ausbildung dafür zu begeistern. Und man kriegt oft sofort Feedback, das gefällt mir.
Martin Faethe: Ich habe schon immer gerne Reisen geplant, auch für andere – aus Freude daran, dass andere eine gute Zeit haben. Meine Erwartungen an den Tourismus waren ähnlich wie bei dir, Ina. Außerdem habe ich erwartet, viel zu reisen und dass die Menschen in der Branche alle einen sehr positiven Vibe mitbringen. Mein Weg in den Tourismus verlief aber nicht so geradlinig wie bei euch. Ich habe mich zunächst für BWL entschieden, habe darin auch meinen Bachelor und meinen Master im Bereich Customer Relationship Management abgeschlossen, aber relativ früh schon gemerkt, dass mir etwas fehlt. Dass ich gerne noch diese touristische Perspektive draufsetzen würde. Und so habe ich parallel dazu auch noch den Tourismus-Master angefangen. Damit kann ich mein Hobby gewissermaßen im Studium vertiefen – und werde später sogar noch dafür bezahlt!
Corinna Schachtner: Ich habe in der Oberstufe einen Berufstest gemacht – so was wie einen Wahl-O-Mat – und dabei kam Tourismus raus. Das hatte ich gar nicht auf dem Schirm gehabt, denn eigentlich wollte ich Journalistin werden. Auch ich habe mir unter der Arbeit im Tourismus erstmal vorgestellt, zu reisen und andere Kulturen kennenzulernen. Deshalb wollte ich auch in den Outgoing-Tourismus und fing mein duales Studium bei einem Reiseveranstalter an. Später habe ich im Laufe des Studiums in den Incoming-Tourismus gewechselt, und dort hat es mir sogar noch besser gefallen. Für mich hat sich damit nochmal mehr bestätigt, dass Tourismus mein Weg ist. Menschen zu etwas beraten, womit ich mich selbst identifiziere. Was mir auch gefiel: Man gibt anderen Menschen etwas mit.
Die Schule schlug uns Tourismus als klassischen Bürojob vor. Wie vielfältig der Beruf ist, habe ich erst in meinem Praktikum erfahren.
Was begeistert euch an der Tourismusbranche?
Corinna: Es ist ein bisschen wie in einer Familie. Man fühlt sich wirklich gesehen, auch als Student oder Azubi. Dieses Persönliche und Familiäre – das hat man in anderen Branchen nicht. Dazu kommt diese Kombination aus Kreativität, Planung und Organisation und eine echt coole Bandbreite an Möglichkeiten.
Martin: Die Menschen in der Branche bringen alle ein positives Mindset mit. Und ich glaube, es ist auch die einzige Branche, die wirklich Freude daran hat, anderen eine Freude zu bereiten. Auch, weil man hier oft direkt das Ergebnis sieht: Eine Person besucht Regensburg, freut sich, hat eine gute Zeit. Das ist ein schönes Feedback.
Ina: Ja, und es gehört dazu, offen zu sein, gerne zu kommunizieren, neue Ideen zu haben und zu akzeptieren. Das trägt zu dem schönen Miteinander bei und macht die Branche einzigartig. Und Tourismus braucht viel Aktualität – man muss wirklich am Zahn der Zeit sein.
Moritz: Für mich zählt auch die Vielfalt. Tourismus ist ein Oberbegriff für ganz unterschiedliche Bereiche: Veranstaltungen, Gästeberatung, Organisation, Unternehmensführung, Marketing. Mit dieser vielfältigen Ausbildung kann ich auch ins Ausland gehen, später danach noch ein Studium draufsetzen. Das haben nicht viele andere Branchen. Und dann sind hier auch der menschliche Kontakt und die Kommunikation gefragt, das ist für mich wichtig. Das wäre im Metallbau, über den ich anfangs auch mal nachgedacht hatte, nicht so der Fall gewesen.
Was wünscht ihr und andere junge Nachwuchskräfte euch von der Branche?
Corinna: Mir ist wichtig, dass wir jungen Menschen gesehen werden, unsere Ideen einbringen können, auch mal ein Projekt alleine betreuen dürfen. Und dass wir als touristischer Nachwuchs in unserer Gesamtheit wahrgenommen werden und uns untereinander austauschen können.
Moritz: Dass individuell auf den Einzelnen mit seinen Stärken und Schwächen eingegangen wird, finden viele Nachwuchskräfte total wichtig. Und dann brauchen wir Austausch, speziell unter uns Jungen, um Erfahrungen zu teilen und uns gegenseitig weiterzuhelfen. Egal, ob bei Networking-Veranstaltungen oder in WhatsApp-Gruppen.
Martin: Das sehe ich genauso. Ich finde es auch gut, wenn ein Arbeitgeber individuell schaut, welche Aufgaben einem liegen und welche weniger. Und dann dafür sorgt, dass man seine Stärken einsetzen kann. Damit bekommt er ja auch einen Mehrwert. Und so haben am Ende alle etwas davon.
Ina: Also, ich würde sagen Begegnung auf Augenhöhe, gegenseitigen Respekt und Wertschätzung. Unserer Generation Z wird viel unterstellt, etwa dass wir so viele Ansprüche hätten. Mir hat meine Großmutter erzählt, schon von ihrer Generation hätten die Älteren immer behauptet, dass sie faul seien. Ich finde, man sollte Vorurteile beiseitelegen und den jungen Menschen Gehör schenken. Führungskräfte sollten auch einfach mit uns sprechen: „Hey, was hältst du davon? Mich würde interessieren, was du meinst!“
Und wie sehen ein attraktiver Arbeitgeber und Job für euch aus?
Moritz: Attraktiv ist es für mich, wenn erst mal Einblicke geboten werden. Wenn schon in der Stellenausschreibung steht: Komm vorbei auf ein einwöchiges Praktikum.
Martin: Ja, das würde helfen, sich in der Branche zu orientieren.
Moritz: Mir hat das geholfen damals, um zu sehen, wie Stimmung und Führungsstil sind. Toll ist immer ein Team, wo Teamgeist dahintersteckt, wo alle inklusive der Führungskraft am selben Strang ziehen. Und wo die Führungskraft nicht von oben das Kommando gibt, sondern unten steht und mitzieht.
Corinna: Ich wünsche mir flache Hierarchien. Grundsätzlich sollte der Arbeitgeber modern und flexibel sein, sich authentisch präsentieren und vielleicht auch mal die eigenen Schwächen ansprechen. Eine faire Bezahlung ist auch wichtig. Aber letztlich zählen für mich das Betriebsklima und die Werte eines Unternehmens. Ich will ja mit Überzeugung dahinterstehen können.
Ina: Flache Hierarchien und Flexibilität wünsche ich mir auch. Oder dass ein Unternehmen Positionen als Junior-Manager anbietet. Denn viele fühlen sich nach dem Studium vielleicht noch nicht wirklich bereit für einen richtigen Managerjob. Wichtig sind mir auch Image und Werte des Arbeitgebers. Zum Beispiel, was soziales Engagement oder Nachhaltigkeit betrifft. Ich schaue mir oft an, wie sich ein Arbeitgeber auf seiner Website oder Social Media nach außen positioniert.
Martin: Mir fällt noch etwas anderes ein: Ich fände es toll, wenn man auch in höheren Managementpositionen die Gelegenheit hätte, immer mal wieder auch praktisch etwas anzupacken. Wenn zum Beispiel der Manager eines Reiseveranstalters mal wieder eine Woche im Reisebüro sitzt oder eine Reise begleitet. So etwas zu kombinieren, wäre für mich richtig, richtig spannend.
Mir gefällt Marketing, denn im Tourismus vermarktet man Emotionen und bleibende Erinnerungen.
Lernt ihr bzw. habt ihr in Ausbildung und Studium denn das gelernt, was ihr in der Berufspraxis braucht?
Corinna: Bei mir im Studiengang Tourismusmanagement hätte ich mir von Anfang an einen stärkeren touristischen Fokus gewünscht. Es war speziell in den ersten Semestern schon sehr viel BWL, und der Tourismus lief anfangs nur so nebenher.
Ina: Das ist bei uns anders. Wir haben schon von Beginn an ein recht großes Tourismusmodul und jedes Semester einen anderen Schwerpunkt – Mobilität, Hotel, Event, Marketing und so weiter. Viel BWL gehört schon auch dazu, aber mir gefällt dieser Mix.
Moritz: In der Berufsschule lernen wir viel Theorie, doppelte Buchführung etwa. Das muss sein, wir lernen ja einen kaufmännischen Beruf. Doch ich habe auch schon richtig viel Praxisbezogenes mitgenommen. Destinationswissen, oder wie man mit Gästen telefoniert, wie man sie begrüßt. Alles, was ich bisher in der Ausbildung gelernt habe, war gut zu wissen und relevant. Ich kann das überall einsetzen.
Martin: Mein Masterstudiengang an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt heißt „Transformation und nachhaltige Lebensraumentwicklung – Tourismus neu gestalten“. Es geht dort mehr um Lebensraummanagement und die Perspektive der Einheimischen als im klassischen Tourismusmanagement-Studium. Das ist neu, zukunftsorientiert und ich finde es einfach gut! Zwar werden auch theoretische Grundlagen geschaffen, aber es geht mehr um die praktische Umsetzung, also wie man die Transformation vor Ort wirklich gestalten kann. Was ich dabei vor allem mitnehme, ist die Bedeutung von Soft Skills im Tourismus: Empathie, Verständnis für Gäste und Einheimische, die breite Sicht auf verschiedene Interessen und auf die Verantwortung des Tourismus. Dieses Verständnis im Studium zu wecken, ist vielleicht sogar wichtiger als die Vermittlung von super breitem theoretischem Wissen. Denn das könnte man sich auch selbst aneignen.
Im Tourismus bringen alle ein positives Mindset mit. Doch bei der Außendarstellung gibt es noch Potenzial.
Was könnte aus eurer Sicht in der Tourismusbranche noch besser werden?
Martin: Es gibt Potenzial in der Außendarstellung. Viele Menschen denken bei Tourismus-Jobs an Hotels oder Reisebüros und wissen gar nicht, wie vielfältig die Branche mit ihren ganzen Teilbereichen ist. Oder man verbindet den Tourismus mit einem Lohnniveau, das nicht hoch ist im Vergleich zu anderen Branchen. Man müsste mehr zeigen, was hier alles stattfindet. Dass auch das Veranstalten von Zugreisen oder Autovermietungen zum Tourismus gehören, ist vielen nicht klar. Als gemeinschaftliche Branche aufzutreten, würde guttun, auch dem Recruiting und Employer Branding.
Moritz: Der jüngeren Generation müsste mehr Vertrauen geschenkt werden. Gerade wenn wir neue, jüngere Zielgruppen erreichen wollen. Wenn etwa auf Social Media, wo meine Generation ja ein bissl aktiver ist, was gepostet werden soll, und wir Jungen dann sagen: Der Text ist zu lang, oder anders gemacht käme er besser an, dann sollten die Älteren darauf eingehen und es halt mal probieren.
Ina: Ich würde Ausbildung und Studium weiter stärken. Die klassische Ausbildung stirbt leider immer weiter aus und das finde ich total schade. Wir waren nur noch zu viert in der Berufsschulklasse für Tourismus- und Freizeitkaufleute. Das liegt aber, glaube ich, nicht daran, dass sich keiner dafür interessiert. Es wissen nur zu wenige davon. Es heißt immer, wir brauchen Fachkräfte. Warum wird dann nicht auch das Konzept der Ausbildung stärker gefördert und kommuniziert? Ein paar kleine Kampagnen gab es dazu ja schon. Auch auf Gymnasien sollte die Ausbildung beworben werden. Bei mir wurde darüber gar nicht gesprochen, alles drehte sich nur um Studiengänge, als wäre das die einzige Option nach dem Abi. Dabei war die Ausbildung im Tourismus für mich genau das Richtige.
© Frank BauerMoritz: In der Schule wurden uns für die Ausbildung nur Klassiker wie Bürokaufmann und so vorgeschlagen. Was Tourismus ist, habe ich erst bei meinem Praktikum erfahren, das war vorher kein Thema. Gleichaltrige fragen mich oft: „Echt, Tourismus? Was macht man da so?“
Corinna: Die Tourismusbranche sollte als Ganzes zeigen, wie cool sie ist, und sich entsprechend positionieren. So nach dem Motto: „Reisen ist das geilste Produkt überhaupt. Bleib doch im oder komm in den Tourismus!“ Und sie sollte gemeinsam mit Nachwuchskräften überlegen, wie mehr junge Menschen in den Tourismus geholt werden können. Denn es ist ja nicht so, dass die Leute Tourismus nicht gut finden. Sie wissen nur nicht wirklich, was da eigentlich passiert. Auch insgesamt ist vielen Menschen nicht klar, wie wichtig der Tourismus für die Regionen ist, dass er ein entscheidender Faktor für Lebensqualität und Wachstum ist. Es fehlt noch an Akzeptanz und der richtigen Wahrnehmung. Da ist sicher noch etwas Luft nach oben.
Martin: Genau, viele denken bei Tourismus hauptsächlich an Freizeit, Wellness und Bespaßung. Was nicht wirklich kommuniziert wird nach außen, ist die Kraft, die der Tourismus in Sachen Lebensraumentwicklung entfalten kann. Wie viel Positives diese Branche für die Region und für die Umwelt bringen kann. Dabei würde das viele junge Menschen wahrscheinlich sehr motivieren.
Ihr wirkt alle vier sehr engagiert, zielstrebig und motiviert. Seht ihr euch als Ausnahme in eurer Generation?
Corinna: Nein, würde ich nicht sagen. Ich glaube, dass es vielen so geht.
Moritz: Gen Z umfasst sehr viele Menschen. Bloß haben Leute, die Influencer werden wollen, eine viel größere Präsenz auf Social Media als wir, die wir klassisch arbeiten oder in der Ausbildung sind.
Hat euch schon mal jemand gesagt: Ich hätte nicht erwartet, dass jemand in deinem Alter so engagiert ist?
Moritz: Ich werde bald 17 und höre total oft: Wahnsinn, wie du bei Feuerwehr und Wasserwacht unterwegs bist! Zuletzt hieß es: Du bist erst 16, hast aber schon 30 Jahre Berufserfahrung. Das bestärkt mich.
Ina: Wenn mir das jemand sagt, fühle ich mich zwar geschmeichelt, ärgere mich aber auch. Denn es gibt sehr viele in unserer Generation, die sich engagieren und die oft nicht gesehen werden aufgrund von Stereotypen. Diese Stereotype sagen gar nichts über eine Generation mit einer so großen Bandbreite aus. Ich muss niemandem beweisen, dass ich nicht dem Stereotyp entspreche. Ich bleibe mir treu und gebe mein Bestes.
Im Tourismus zu arbeiten, hat etwas Familiäres. Dieses Persönliche, das hat man in anderen Branchen nicht.
In welchen Jobs seht ihr euch später im Tourismus?
Ina: Mir gefällt Marketing, denn im Tourismus vermarktet man Emotionen, Gefühle, bleibende Erinnerungen. Mega spannend.
Corinna: Destinationsmanagement. Reiseveranstaltung. Eventmanagement. Auch die Selbstständigkeit … Ich habe mich noch nicht entschieden, denn es gibt so viele tolle Möglichkeiten!
Moritz: Ich träume von einer kleinen Selbstständigkeit als Veranstalter für Individualreisen.
Martin: Für mich ist der Weg das Ziel. Interessant fände ich für später das Thema Fernverkehr. Diesen als Teil des Reiseerlebnisses zu gestalten und nicht einfach nur als den Punkt „Anreise“, das finde ich super spannend.
Würdet ihr euch heute wieder für den Tourismus entscheiden?
Alle vier: Ja!
Noch ein Schlagwort, warum Tourismus das Richtige war für euch?
Martin: Freude.
Ina: Kreativität.
Corinna: Vielfalt.
Moritz: Ja, Vielfalt.
Netzwerken ist alles – doch Nachwuchskräfte finden oft keinen Zugang zu etablierten Branchenakteuren und es fehlen Plattformen für den Austausch. Die BayTM hat darauf 2022 mit der Gründung von „Tourism Next“ reagiert – einem Netzwerk, das Azubis, Studierende und Young Professionals früh miteinander und mit der Branche verbindet. Das Konzept setzt auf niedrigschwelligen Zugang: Die Veranstaltungen sind kostenlos, finden in lockerer Atmosphäre statt und nutzen interaktive Formate wie Speed-Dialoge sowie Partner-Pitches mit Branchenfachleuten. Seit dem Start wurden fünf Events in vier Städten durchgeführt. 2025 wurde das Format um eine Reihe von Vorträgen direkt an Hochschulen und Berufsschulen ergänzt. „Tourism Next“ zeigt, wie man die nächste Generation möglichst früh – und damit am ehesten auch langfristig – für die Arbeit im Tourismus begeistern kann.
© Frank Bauer (10)


