Pragmatisch, realistisch und auf Sicherheit bedacht. Im Fokus stehen soziale Bindungen und Jobs, die Flexibilität erlauben. Flugreisen? Warum nicht! Studien zeigen, wie Gen Z und Millennials ticken

Die jungen Leute? Recht traditionell

Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widerspricht ihren Eltern, legt die Beine übereinander und tyrannisiert ihre Lehrer“, lautet ein berühmtes Zitat, dass sich problemlos in der heutigen Zeit verorten ließe. In Wirklichkeit wird es Sokrates zugeschrieben, ist also ungefähr 2.400 Jahre alt. Zweierlei können wir daraus lernen: Erstens hatten die jungen Generationen schon immer einen eher schlechten Ruf. Und zweitens hängt vieles von der Perspektive ab. Wenn also 50-Jährige heute klagen, dass die „Gen Z nicht hart arbeiten will“ – ein gängiges Vorurteil –, dann hat das womöglich weniger mit der Gen Z zu tun als mit Prioritäten junger Leute all­gemein. Und wenn Millennials als „verweichlicht“ beschrieben werden (ein weiteres Vorurteil), ist das vermutlich vor allem die Sichtweise der Boomer, die sich ihrerseits mit Diszi­plin und Selbstentsagung durchs Leben gekämpft haben.

Wie aber ticken die jungen Generationen wirklich? Zum besseren Verständnis haben wir uns vier große Studien angesehen. Erstens „Generation Future“, die Zukunftsstudie 2026 der Schörghuber Group zu jungen Leuten zwischen 16 und 35 Jahren. Sie wurde vom Kindheits- und Jugendforscher Prof. Klaus Hurrelmann begleitet. Zweitens den „2025 Gen Z and Millennial Survey“ des Beratungsunternehmens Deloitte, welcher die Einstellungen der 19- bis 43-Jährigen untersucht. Auch die ARD/ZDF-Medienstudie 2025 und die Mobilitätsstudie 2025 des ADAC haben wir analysiert. Die Ergebnisse zeigen junge Generationen, die realistischer, pragmatischer und manchmal überraschenderweise auch traditioneller geworden sind als ihre Vorgängergenerationen – und denen Werte wie Sicherheit, soziale Bindungen und Gesundheit wichtig sind. Und auch wenn hier natürlich von Durchschnittswerten die Rede ist, die nie auf alle Vertreter und Vertreterinnen der jungen Generationen gleichzeitig zutreffen – einige Trends und Entwicklungen lassen sich durchaus herauslesen.

GEN BETA

ca. ab 2026
Die nächste Generation – die Gen Beta – liegt noch in den Windeln. Es sind die Kinder der Gen Z. Anders als noch die Gen Alpha werden sie voraussichtlich in einer völlig digitalisierten, KI-gesteuerten Welt aufwachsen. Und: Wegen der sinkenden Geburtenrate wird es eine zahlenmäßig kleine Alterskohorte sein.

Prägungen und Werte: Aus Krisen entsteht der Wunsch nach Verlässlichkeit

Millennials und Gen Z wurden geprägt durch eine ganze Reihe globaler Erschütterungen in Kindheit und Jugend. Diese reichten von den Anschlägen des 11. Septembers 2001 über die internationale Finanzkrise von 2008, Terrorismus und eine sich immer stärker abzeichnende Klimakatastrophe bis zu Corona. Generell dominierte also ein Gefühl von Unsicherheit. Sowohl die Schörghuber- als auch die Deloitte- Studie deuten an, dass aus diesem Gefühl mangelnder Verlässlichkeit heraus ein deut­liches Verlangen nach Sicherheit rührt. Große Gesellschaftsentwürfe und ideologische Orientierungen haben dagegen an Zugkraft verloren. Was für die jungen Generationen heute zählt, sind nicht Utopien, sondern Familie und soziale Bindungen, finanzielle Sicherheit, Gesundheit und Kontrolle über das eigene Lebensumfeld. All das lässt sich als Antwort auf eine als fragil empfundene Welt lesen.

Die Verschiebung vom idealistischen zum pragmatischen Sinnstreben ist ein signifikanter Wertewandel: Die jungen Generationen suchen ein stimmiges Leben, das sich gut anfühlt und Sinn ergibt – für sie selbst.

Diese Einstellung prägt auch das Thema Nachhaltigkeit, das den jungen Generationen zwar mehr am Herzen liegt als den älteren. Doch auch hier zeichnen die beiden Studien das Bild eines selektiven Umweltbewusstseins, das sich pragmatisch an Machbarkeitsüberlegungen und den eigenen Lebensstil anpasst, aber nicht als Wert über alles andere gestellt wird.

So achten zwei Drittel der Befragten in der Schörghuber-Studie auf regionale und saiso­nale Lebensmittel, über 60 Prozent sparen Energie und Wasser, 58 Prozent setzen auf nachhaltige Mobilität. Weniger Fleischkonsum, weniger Fast Fashion, weniger Plastik – Nachhaltigkeit ist hier gut zu leben, weil Alternativen leicht verfügbar sind und der persönliche Komfort kaum leidet. Schwerer fällt der Verzicht auf das eigene Auto, auf Online-Shopping und auf Flugreisen. „Bei vielen sind die Sorgen wegen des Klimawandels groß, doch das spiegelt sich nicht in der Umsetzung“, so Dr. Kilian Hampel. Andererseits: Laut Deloitte-Studie prüft rund ein Viertel der Befragten die Nachhaltigkeitspolitik eines Unternehmens, bevor sie dort einkaufen oder eine Stelle annehmen. Damit wird Nachhaltigkeit zu einem Faktor bei Arbeitsplatzentscheidungen: 70 Prozent der Befragten in der Schörghuber-Studie halten die Umweltpolitik eines Unternehmens bei der Jobwahl für wichtig oder sehr wichtig.

GEN ALPHA

ca. 2011 bis 2025
Die jüngste aktive Generation Deutschlands befindet sich aktuell zwischen Baby- und Teenagerphase. Ihre Eltern sind hauptsächlich Millennials. Die Gen Alphas werden in ein demografisch schrumpfendes Deutschland hineingeboren und machen mit 12 bis 13 Prozent die kleinste Alterskohorte der Gesamtbevölkerung aus. Prägende Erfahrung dürfte für sie das Aufwachsen in einer immer komplexer werdenden, extrem technologisierten Welt sein.

Arbeitswelt: Karriere? Muss nicht für alle sein

Arbeit soll Spaß machen! Mit 80 Prozent Zustimmung in der Schörghuber-Studie ist das der mit Abstand wichtigste Wunsch der jungen Generationen an ihre berufliche Zukunft. Darin unterscheidet sie sich stark von den Boomern, die sich – geprägt vom steten Konkurrenzdruck – in der Arbeit pflichtbewusst aufzureiben pflegten. Der Deloitte Survey hat wiederum herausgefunden, dass 70 Prozent der jungen Leute mindestens einmal pro Woche aktiv an ihrer beruflichen Weiterentwicklung arbeiten, und dass Lernen und Entwicklung unter den stärksten Motiven für die Wahl eines Arbeitgebers rangieren – direkt hinter Work-Life-Balance und Karriereperspektiven. Gleichzeitig sehen rund zwei Drittel ihre Arbeit pragmatisch als Mittel zum Gelderwerb. Auch der Deloitte Survey hat ergeben, dass Weiterbildung und praxisnahes Lernen von den jungen Generationen als unverzichtbar gesehen werden. Von ihren Führungskräften wünschen sich Millennials und Gen-Zler Orientierung, Inspiration und Mentoring.

Gleichzeitig möchten sie aber nicht unbedingt selbst zum Chef oder zur Chefin werden: Nur sechs Prozent der Gen Z nennen eine Führungsposition als ihr Hauptziel. Wie Arbeitgeber das interpretieren könnten? Vielleicht so: Wer junge Talente halten will, muss ihnen nicht unbedingt Aufstieg versprechen, sondern Entwicklungsmöglichkeiten, menschliche Ansprache und Flexibilität.

GEN Z

ca. 1996 bis 2010
Die Nachfolgegeneration der Millennials macht etwa 14,8 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung aus und ist damit die kleinste der auf dem Arbeitsmarkt aktiven Alterskohorten. Zugleich ist ihr Abiturientenanteil mit 43 Prozent der höchste. Die Gen Z rückt für die in Rente gehenden Boomer nach, ohne sie zahlenmäßig ganz ersetzen zu können. Gen-Zler sind die ersten, echten Digital Natives und im „Dauerkrisenmodus“ aufgewachsen.

Mobilität: Multimodal und nur moderat nachhaltig durch Leben und Alltag

Und wie bewegt man sich fort, zur Arbeit und auch sonst? Die jungen Generationen sind weder Automobilisten alter Boomer-Prägung noch gegen das Auto: Die ADAC-Studie attestiert ihnen eine „entideologisierte“ Haltung zur Mobilität. 53 Prozent der Gen Z fühlen sich zwar moralisch verpflichtet, umweltfreund­liche Verkehrsmittel zu nutzen, verhalten sich aber im Alltag nicht unbedingt danach. Eine nachhaltige Verkehrswende halten 53 Prozent für wünschenswert. Technologieoffen zeigt sich die Generation dennoch; nahezu die Hälfte befürwortet E-Mobilität, digitale Angebote und autonomes Fahren – Werte, die über dem Bevölkerungsschnitt liegen.

Über 60 Prozent der Gen Z wünschen sich mehrere Verkehrsmittel zur Auswahl. Entscheidend für die Wahl eines Verkehrsmittels sind – in dieser Reihenfolge – Schnelligkeit, Verlässlichkeit, Kosten, Flexibilität und Umweltfreundlichkeit. Auch der Führerschein wird von der Gen Z noch gerne gemacht: 58 Prozent besitzen ihn bereits, 27 Prozent planen den Erwerb.

„Auch in unseren Studien sehen wir, dass das Auto noch einen hohen Stellenwert besitzt“, so Dr. Kilian Hampel. „Es gibt aber einen gewaltigen Unterschied zwischen Stadt und Land. Bestimmte Mobilitäts-, aber auch Nachhaltigkeitskonzepte aus dem urbanen Raum kommen auf dem Land gar nicht an, in keiner Hinsicht. Alter und Generationen spielen hier weniger eine Rolle als der Lebenskontext.“

Und wie sieht es mit Flugreisen aus? In der Schörghuber-Studie würden 55 Prozent aus ökologischen Gründen auf exotische Fernreisen verzichten, doch nur 31 Prozent meiden Flugreisen grundsätzlich. Am Arbeitsplatz spiegelt sich ein ähnliches Bild: Die Förderung klimafreundlicher Mobilität durch Jobrad, ÖPNV-Zuschüsse oder E-Ladestationen ist vielen Befragten bei der Wahl des Arbeitgebers wichtig. Gleichzeitig bleiben kostenlose Parkmöglichkeiten das meistgenannte Kriterium für den idealen Arbeitsort – ein schönes Paradox, das die Nachhaltigkeits-Ambivalenz dieser Generation gut abbildet.

GEN Y

ca. 1980 bis 1995
Besser bekannt als „Millennials“, weil sie in Kindheit und Jugend die Jahrtausendwende miterlebt haben. Aber auch „Generation Why“ genannt, weil sie vieles hinterfragt. In Deutschland mit 19,43 Prozent knapp hinter der Generation X die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe. Die Millennials sind die ersten, die den Übergang ins digitale Zeitalter aktiv begleitet haben. Sie gelten als die am besten ausgebildete Generation Deutschlands. Geprägt wurden sie u. a. durch die Finanzkrise 2008.

Mediennutzung, Sprache und Kommunikation: Es lebe das Smartphone!

Wenn sich die Rahmenbedingungen in Sachen Mobilität verändert haben, so gilt das umso mehr noch für die Kommunikation: Wofür frühere Generationen Radio, Fernsehen, Zeitung, Telefon und Briefpapier benötigten, reicht heute ein einziges Gerät – das Smartphone. Die jüngeren Millennials und die Gen Z, die in einer bereits digitalisierten Welt groß geworden sind, verbringen entsprechend viel Zeit damit – je nach Studie zwischen vier und sechseinhalb Stunden pro Tag. Klassisches Fernsehen und Radio verlieren bei dieser Gruppe zunehmend an Relevanz, während alles, was individuell abgerufen werden kann, hoch im Kurs steht. Am beliebtesten unter den Internet-Plattformen ist laut ARD/ZDF-Medienstudie YouTube, gefolgt von Instagram, Spotify, Netflix, Snapchat und TikTok. Die Gen Z dominiert Social Media (91 Prozent nutzen diese Kanäle wöchentlich) sowie die Welt der Podcasts (48 Prozent hören sie regelmäßig). Laut einer Umfrage von Sprout Social von 2025 wenden sich 41 Prozent der Gen Z auch dann an Social Media (und nicht an Suchmaschinen), wenn sie Informationen suchen. Und beim Kennenlernen tauscht über ein Viertel der Gen-Zler Instagram-Usernames aus statt Telefonnummern. Falls sie sich überhaupt noch in real life begegnen.

Und die guten, alten Babyboomer? Die schalten zwar immer noch gern den TV-Apparat für lineares Fernsehen ein, verwenden dafür aber bereits einen Großteil ihrer gesamten Lesezeit für Artikel aus dem Internet – und nicht aus gedruckten Medien.

Auch die Sprache der jungen Generationen hat sich gegenüber der der älteren verändert. Ein zentrales Merkmal vor allem bei der Gen Z ist die Durchdringung der Alltagssprache mit Englisch. Eine Studie der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg ergab, dass der infor­melle Gebrauch von Englisch im Alltag inner­halb von nur sieben Jahren von zehn auf ­ 22,5 Prozent hochgeschnellt ist. Ein Großteil des Gen-Z-Slangs wurde in den letzten Jahren im Internet geprägt. Plattformen wie TikTok fungieren dabei als Beschleuniger: Über soziale Medien können sich neue Begriffe – wie beispielsweise „POV“ (für „Point of View“, also eine bestimmte Perspektive auf etwas), „Rizz“ für Charisma oder „cringe“ für peinlich – besonders schnell verbreiten.

„Jugendsprache hat es immer schon gegeben“, kommentiert Dr. Kilian Hampel: Es sei ein Versuch, sich durch die Kommunikation einen eigenen, freien Raum zu schaffen. „Die Älteren sollten ruhig auch ein bisschen Verständnis für die Sprache der Jungen ent­wickeln. Deshalb finde ich auch Initiativen wie das ‚Jugendwort des Jahres‘ gut und wichtig“, so der Sozialforscher.

GEN X

ca. 1965 bis 1979
Die Gen X ist aktuell mit einem Bevölkerungsanteil von 19,7 Prozent die bevölkerungsstärkste Generation in Deutschland – und war die erste Alterskohorte, die vollständig in einer Phase mit sinkender Geburtenrate aufwuchs. Gen-Xler sind heute zwischen 47 und 61 Jahren alt und befinden sich damit in der Phase höchster beruflicher Aktivität. Historisch wurden sie geprägt durch das Ende des Kalten Krieges, Mauerfall und Wiedervereinigung.

Zukunftserwartungen: Sorge um die berufliche Zukunft und den Lebensabend

Nicht nur ein POV: Die jungen Generationen scheinen in einer neuen, nüchternen Realität angekommen zu sein, die von Inflation und politischen Umbrüchen geprägt ist. Und von dem Bewusstsein, dass sie wahrscheinlich die ersten Generationen sein werden, denen es nicht automatisch besser gehen wird als den jeweiligen Generationen davor.

Diese Ernüchterung zeigt sich unter anderem beim Thema Wohnen: Der Wunsch nach Wohneigentum ist stark ausgeprägt: 53 Prozent streben langfristig Wohneigentum an, geht aus der Schörghuber-Studie hervor, darunter überraschend viele aus der jungen Generation Z, die angesichts eines unsicheren Rentensystems womöglich als notwendige Altersvorsorge aufs Eigenheim setzt – so wird es in der Studie jedenfalls interpretiert. Tatsächlich, das zeigt der Deloitte Survey, befürchten rund 40 Prozent, nicht komfortabel in Rente gehen zu können. Die Lebenshaltungskosten sind ein großes Sorgenkind.

Zu den finanziellen Ängsten gesellt sich die Unsicherheit über die berufliche Zukunft: 74 Prozent der Gen-Zler und 77 Prozent der Millennials gehen davon aus, dass künstliche Intelligenz ihre Arbeit schon bald grundlegend verändern wird. 63 Prozent fürchten den Verlust von Arbeitsplätzen, und immer mehr junge Menschen orientieren sich in Richtung manueller Berufe oder Handwerk, die sie als weniger KI-gefährdet einschätzen.

Das allgemeine Fazit? Die jungen Generationen passen ihren Alltag an die multiplen Herausforderungen an – so formuliert es die Schörghuber-Studie – durch Fokussierung auf Lebensqualität und Selbstfürsorge im Hier und Jetzt. Einen „klaren Blick auf die Realität“ und eine „grundsätzlich positive Einstellung zur Zukunft“ attestiert Prof. Hurrelmann, Begleiter dieser Studie, den neuen Generationen.

BABYBOOMER

ca. 1946 bis 1964
Die Boomer folgten auf die vom 2. Weltkrieg geprägte Generation. Ihren demografischen Höhepunkt mit über 1,36 Millionen Geburten erreichten sie im Jahr 1964. Die Größe der Boomer-Kohorte ließ sie überall Konkurrenzsituationen erleben. Aktuell machen die Boomer, die bis 2031 aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sein werden, etwa 12,4 Millionen Menschen aus – das entspricht 15 Prozent der deutschen Bevölkerung.

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