Auf den Punkt gebracht
Im Gespräch mit Tourismusministerin Michaela Kaniber
Gerade die ersten Reiseerlebnisse prägen uns oft ein Leben lang. Ob ein Outdoorerlebnis in den Bergen auf Skiern, mit dem Rad oder zu Fuß, ob der erste Besuch in einem unserer bayerischen Thermalbäder oder das erste Mal auf einem bayerischen Volksfest – solche Momente bleiben im Herzen. Wer Bayern in jungen Jahren für sich entdeckt, kommt auch häufig später, in gesetzterem Alter, mit großer Freude immer wieder zurück. Deshalb ist es so wichtig, genau hinzuschauen: Wie trifft die junge Generation ihre Reiseentscheidungen? Was erwartet sie vom Urlaub? Studien zeigen, dass junge Menschen heute bewusster reisen, andere Fragen stellen und neue Maßstäbe setzen. Sie suchen keine beliebigen Angebote, sondern authentische Orte mit Charakter. Sie wollen keine austauschbaren Angebote von der Stange, sondern Erlebnisse, die glaubwürdig und stimmig sind.
Genau darin liegt für Bayern eine große Chance. Denn vieles von dem, was junge Menschen heute suchen, ist seit jeher eine Stärke unseres Reiselandes. Es zählen da unsere starke regionale Identität, höchste Qualität, gewachsene Kulturlandschaften und eine einzigartige Vielfalt und Dichte an Erlebnissen dazu: Vom Sonnenaufgang in den Bergen über den Genuss regionaler Spezialitäten auf den vielen Märkten bis hin zu besonderen Kulturmomenten in unseren Städten und Dörfern. Bayern steht für Urlaub mit Charakter, Lebensfreude und bleibenden Eindrücken. Es geht nicht darum, immer noch mehr anzubieten. Es geht darum, echte Begeisterung zu wecken, bleibende Erinnerungen zu schaffen und den Wunsch entstehen zu lassen, wiederzukommen. Genau darin liegt die Kraft für den Tourismus von morgen.
Wie kann es gelingen, mehr junge Menschen für eine Ausbildung oder eine Karriere in der Tourismusbranche zu begeistern?
Bereits heute setzen die bayerischen Akteure auf viele starke erfolgreiche Ansätze, um junge Menschen für die Tourismusbranche zu gewinnen: Beispielsweise fördern etwa die Industrie- und Handelskammern Bildungspartnerschaften mit allgemeinbildenden Schulen. So lernen Lehrkräfte die Realität in den Betrieben kennen, und Ausbilder kommen direkt mit Schülerinnen und Schülern ins Gespräch. Besonders überzeugend sind die IHK-Ausbildungsscouts: Auszubildende im ersten oder zweiten Lehrjahr berichten monatlich in Schulklassen aus ihrem Alltag und geben anderen jungen Menschen ehrliche Einblicke in ihre Berufe. Auch der DEHOGA Bayern leistet hier mit seinen Ausbildungsbotschaftern, mit bis zu 250 Schulbesuchen und einer starken Präsenz auf etwa 100 regionalen Ausbildungsmessen, Jahr für Jahr wichtige Arbeit.
Entscheidend ist aus meiner Sicht, diese erfolgreichen Wege weiter zu stärken und noch sichtbarer zu machen. Denn es braucht genau diese positiven, glaubwürdigen Geschichten aus der Praxis von jungen Menschen für junge Menschen: Wenn Gleichaltrige davon erzählen, wie sie im Tourismus ihren Weg gefunden haben, Verantwortung übernehmen, Erfahrungen sammeln und in einem vielseitigen Umfeld arbeiten, dann wirkt das doch besonders persönlich und unmittelbar.
Gleichzeitig müssen wir viel stärker zeigen, was diese Branche ausmacht. Im Tourismus entstehen Momente, an die sich Menschen lange erinnern – vom ersten freundlichen Empfang bis zum letzten Eindruck bei der Abreise. Dahinter stehen viele unterschiedliche Berufe, echte Entwicklungschancen und vor allem Menschen, die mit Herz bei der Sache sind. Wer hier arbeitet, schafft Erlebnisse, bringt Menschen zusammen und sorgt dafür, dass Gäste Bayern in guter Erinnerung behalten. Genau das macht den Tourismus aus: Qualität, Gastfreundschaft und eine Lebensfreude, die man spürt. Wenn es uns gelingt, diese Perspektiven frühzeitig zu vermitteln und mit konkreten Einblicken zu unterfüttern, dann können wir mehr junge Menschen für eine Ausbildung und Karriere im Tourismus begeistern. Und damit sichern wir zeitgleich die Zukunft einer Branche nachhaltig, die für Bayern von sehr großer Bedeutung ist.
„Wir müssen zeigen, was die Branche ausmacht.“
Was macht Bayern auch für junge Menschen zu einem attraktiven Reiseziel – und wie kann sich der Tourismus noch stärker an ihren Bedürfnissen orientieren?
Bayern hat generell, aber auch gerade für junge Menschen, enorm viel an Übernachtungsmöglichkeiten zu bieten: Von Campingplätzen in schönster Natur über moderne Jugendherbergen bis hin zum Premiumservice ist für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas dabei. Vor allem aber steht Bayern bei vielen jungen Menschen hoch im Kurs: Wegen seiner authentischen Erlebnisqualität, der bunten Vielfalt und echten Lebensfreude. Die Verbindung aus eindrucksvollen Landschaften, lebendiger Kultur, herzhaftem Genuss und guter Erreichbarkeit macht unser Land gerade auch für junge Reisende besonders attraktiv.
Bei uns treffen Natur, Stadt, Tradition, Brauchtum und Moderne aufeinander. Genau diese Abwechslung, diese Vielfalt ist es, die junge Menschen begeistert. Sie wollen entdecken, etwas erleben und zugleich Orte spüren, dieeine eigene Identität haben. Deshalb freut es mich besonders, dass die BayTM sich in diesem Jahr dem Thema „Musik und Tanz“ widmet. Mit der Kampagne „Bayern geHÖRT erlebt“ können Gäste wie Einheimische den Freistaat durch das ganzjährige und vielfältige Festival für alle Sinne erleben. Das weckt Reiselust bei jungen Menschen, die Brauchtum und Traditionskultur schätzen, aber genauso bei denen, die auf der Suche nach neuen, modernen kulturellen Erlebnissen sind. Genau in diesem Zusammenspiel von Tradition und Innovation liegt eine große Stärke Bayerns. Es zeigt, wie facettenreich unser Freistaat als Urlaubsland ist. Und genau da liegt auch die Chance für den Tourismus: Wir nehmen die Bedürfnisse junger Menschen ernst, machen Erlebnisse gezielter sichtbar und entwickeln Angebote, die wirklich ansprechen – authentisch, inspirierend und am Puls der Zeit.
© Nadine Keilhofer / StMELF