
Wolken kennen keine Grenzen
Der Name LiBre verbindet nicht nur die beiden Städtenamen; er bedeutet in romanischen Sprachen auch „frei“ und ist somit Programm: Lindau und Bregenz möchten ihre gegenseitige Verbindung und Kooperation stärken und verbessern – in Bereichen wie Citymanagement und Tourismus, Mobilität und Stadtentwicklung. Man will gemeinsame Kulturprojekte entwickeln und ein „grenzenloses“, also freies Tagungs- und Kongressangebot am Bodensee gestalten, bei dem etwa Locations wie die Lindauer Inselhalle und das Festspielhaus Bregenz zusammenarbeiten.
Der Kalender basiert auf offenen Daten
Die erste konkrete Maßnahme, die LiBre in diesem Sinne entwickelt hat, ist ein gemeinsamer Veranstaltungskalender. Da die Menschen ihre Freizeit und ihren Urlaub ohnehin auf beiden Seiten der Grenze verbringen, lag es nahe, entsprechende Veranstaltungshinweise auf einer gemeinsamen Plattform zu bündeln, damit niemand mehr umständlich suchen muss. Und so präsentiert die Website libre-bodensee.com einen reich bestückten, gemeinsamen Veranstaltungskalender, der Programmpunkte von hüben und drüben umfasst und Termine aktuell ausspielt – von Sportevents über Theater und Konzerte bis hin zu Vorträgen und Ausstellungen.
Funktionieren kann dieser gemeinsame Kalender jedoch nur, weil die entsprechenden Daten auf beiden Seiten als offene Daten (Open Data) bereitgestellt wurden. Damit sind Datensätze, Bilder und Texte gemeint, die ohne Einschränkungen frei verfügbar sind und von jedermann eingesetzt und weitergegeben werden dürfen, ohne dass ihre Verwendung jedes Mal wieder neu verhandelt werden muss. Datensätze müssen außerdem maschinenlesbar sein, sprich nach festen Standards formuliert, wie sie von der Open Data Tourism Alliance (ODTA) auf der Basis von schema.org entwickelt werden.
Wer heute auf einer Luftmatratze auf dem Bodensee schaukelt, sieht über sich am blauen Himmel womöglich zwei weiße Wolken, die sich langsam ineinanderschieben. So ähnlich kann man sich das Zusammenfließen der offenen Daten von Bayern und Vorarlberg vorstellen.
© stock.adobe.comEs profitieren Gäste und Einheimische
„Es ist gar nicht kompliziert, weil die Bregenzer Veranstaltungsdaten bereits in der Vorarlberg Cloud vorhanden sind und die bayerischen Daten in der BayernCloud Tourismus“, freut sich Robert S. Salant, Geschäftsführer von Bregenz Tourismus. Es brauchte also nur noch die entsprechenden technischen Schnittstellen, damit die bayerischen und die Vorarlberger Daten gemeinsam auf der LiBre-Bodensee-Website ausgespielt werden konnten. Ein Widget – eine Art integrierte Mini-App – sorgt dort dann für die schnelle, einfache Anzeige der aktuellen Veranstaltungen, sodass die User der Plattform jederzeit mit den richtigen Infos versorgt sind. Ein echter Benefit für Gäste und Einheimische, die Informationen für ihre Urlaubs- oder Freizeitgestaltung nicht mehr umständlich aus verschiedenen Quellen zusammensuchen müssen.
Das LiBre-Projekt der Bodenseeregion zeigt damit nicht nur eine erfolgreiche grenzüberschreitende Städtekooperation, sondern auch, was offenes Datenmanagement bringt. Welche Vorteile und Möglichkeiten sich eröffnen, wenn Daten mit anderen Tourismusschaffenden geteilt und nicht im eigenen Datensilo eingemauert werden.
Open Data verbessern Kooperationen
Dieses Mindset gilt es zu überwinden. Denn längst ist klar, dass Datensilos – also Daten, die in isolierten Systemen gespeichert sind, auf die andere Bereiche keinen Zugriff haben – Synergien blockieren, ineffizientes Arbeiten fördern und den Fortschritt bremsen. Open Data hingegen demokratisieren Wissen, reduzieren Reibungsverluste und steigern die Innovationsgeschwindigkeit. Sie stehen für Transparenz und wirken deshalb vertrauensfördernd.
Datensilos blockieren Synergien und stehen effizientem Arbeiten im Wege
Offen zur Verfügung gestellte Daten fördern zudem die kooperative Entwicklung: Man leistet einen Beitrag zu einem gemeinsamen Projekt, von dem alle zusammen profitieren. „Wer seinen Content als Open Data zur Verfügung stellt, vereinfacht und verbessert die Zusammenarbeit mit Partnern und Dienstleistern“, weiß Johannes Zlattinger von dataCycle, dem Kärntner Unternehmen, das sich für LiBre um das Datenmanagement gekümmert hat und auch an der BayernCloud Tourismus mitarbeitet. „Es lohnt sich außerdem, weil man an Reichweite und Sichtbarkeit gewinnt“, so Zlattinger. Stefan Rütten von der Lindau Tourismus und Kongress GmbH kann das nur bestätigen: „Wir können unsere Veranstaltungen jetzt auch über die Grenze hinweg bewerben“, sagt der Touristiker. „Dazu müssen wir sie nicht eigens in Bregenz platzieren, sondern wir lassen unsere Daten einfach automatisch über die BayernCloud Tourismus in den gemeinsamen LiBre-Veranstaltungskalender einfließen. Das gewährt stets Datenaktualität, wir sparen uns den doppelten Pflegeaufwand und Gäste und Einheimische sind stets aktuell informiert.“
Daten teilen im ganz großen Stil
Bei LiBre ist der Veranstaltungskalender nur ein erster Schritt; weitere grenzüberschreitende Initiativen sind geplant oder laufen gar schon, wie der „Open Studio Day“ – ein Tag im Jahr, an dem alle Galerien und Kunstateliers zwischen Lindau und Bregenz geöffnet sind. Auch die Radwege in der LiBre-Region schaut man sich gerade genauer an: Vielleicht lassen sich ja gemeinsame Themenwege entwickeln?
Irgendwann könnte auch eine nachhaltige, grenzüberschreitende ÖPNV-Mobilität Wirklichkeit werden. „Weil die Schnittstelle zwischen den beiden Clouds bereits eingerichtet ist“, erklärt IT-Profi Zlattinger, „kann man darüber strukturierte, offene Daten auch zu zukünftigen Kooperationsprojekten ganz einfach austauschen.“ Der Benefit für die Region am Bodensee durch solche Projekte ist garantiert.
Steht die Infrastruktur, lassen sich Daten zu allen möglichen Kooperationsprojekten teilen
Die Bedeutung, die geteilten Daten für die Zukunft des Tourismus beigemessen wird, zeigt sich auch in anderen Kooperationsprojekten. Etwa im 2024 gestarteten Projekt Deploytour, das vom Digital Europe Programme der Europäischen Union gefördert wird: 43 Partner aus 13 europäischen Ländern (darunter Forschungsinstitute und Tourismusinstitutionen) bauen hier einen „Common European Tourism Data Space“ auf, um Tourismusdaten über Ländergrenzen hinweg zugänglich und nachhaltig nutzbar zu machen.
Auch die BayTM betreibt einen offenen Datenaustausch mit ihren Partnerorganisationen in Südtirol und Tirol. Vernetzt werden Mobilitätsdaten aus der BayernCloud Tourismus, dem opendatahub Südtirol und dem datahub.tirol. Von diesem „Datenspace“, der Daten zu E-Ladestellen in benachbarten Ländern umfasst, sollen Forschende, Start-ups und Unternehmen profitieren, um mit innovativen Anwendungen die nachhaltige Mobilität weiterzuentwickeln.
Man kann das Teilen von Daten zum gemeinschaftlichen Nutzen aber auch im ganz großen Stil denken. Davon ist jedenfalls Johannes Zlattinger überzeugt. „Wenn man seine touristischen Daten wirklich in die Breite bringen will, sollte man sie Open-Data-Datenbanken wie OpenStreetMap, Wikidata oder DBpedia zur Verfügung stellen, die global verfügbar sind.“
Auch die KI freut sich über geteilte Daten
Große, globale Datenbanken mit strukturierten Informationen seien auch für die KI interessant. Wenn sie in der OpenStreetMap also die gut aufbereiteten Daten einer Destination fände, bediente sich die KI dort, und die Daten landeten ganz oben in der Suchmaschine. Und dagegen haben Tourismusschaffende wohl kaum etwas einzuwenden.
Erfahren Sie mehr über LiBre-Bodensee.
© Grafik: stock.adobe.com