Mehr als ein cooler Workshop
Co-Kreation heißt das Zauberwort, wenn es darum geht, in Städten, Destinationen oder Organisationen innovative Lösungen für komplexe Herausforderungen zu entwickeln
© Jessica LerchenmüllerWas ist Co-Kreation?
Wenn wir unterschiedliche Perspektiven, Expertisen und Lebensrealitäten zusammenbringen und Lösungen gemeinsam gestalten. Eine einzelne Perspektive reicht heute oft nicht mehr. Und je nach Kontext greifen Lösungen, die von oben verordnet werden, oft zu kurz. Die in partizipativen Formaten co-kreativ erarbeiteten Lösungen haben die Bedürfnisse aller Anspruchsgruppen im Blick und können dadurch tief wirken.
Wie funktioniert das?
Am Anfang steht immer das tiefe Verständnis des Problems. Dafür eignen sich Haltung und Methoden aus dem Design Thinking. Sie verbinden eine gründliche Auseinandersetzung mit dem wirklichen Problem mit gemeinsamer Ideenentwicklung und ersten skizzenhaften Prototypen. Diese rasche Erlebbarmachung von Lösungsideen ermöglicht es, sie mit Benutzenden zu testen und daraus zu lernen, bevor viel Zeit und Geld in fertige Konzepte fließen.
Wie läuft ein Partizipationsprozess bei Co-Kreation ab?
Nehmen wir die Wiederbelebung einer Altstadt mit Leerstand. Da würde die Stadtverwaltung als Initiatorin gemeinsam mit einer externen Begleitung erst analysieren, welche Anspruchsgruppen die Altstadt nutzen oder beeinflussen: Anwohnende, Einzelhandel, Gastronomie, Jugendliche. Je mehr Perspektiven, umso besser. Mit diesen Gruppen organisiert man Workshops, in denen gebrainstormt wird und erste Ideen als Modelle gebaut werden. Das ist wichtig, weil dadurch die Ideen vom Papier ins Leben gebracht werden. Aus diesen Modellen entstehen Konzepte und Prototypen, die im realen Umfeld getestet werden. Wenn im Altstadt-Beispiel die Idee eines Wochenmarkts entsteht, plant man nicht monatelang am Reißbrett, sondern probiert an einem Samstag einen Pop-up-Markt aus. Was funktioniert, bleibt. Was nicht funktioniert, wird angepasst.
Was bewirkt Co-Kreation?
Lösungen, die breit mitgetragen werden, weil sie von den Menschen mitentwickelt wurden. Identifikation und Engagement wachsen. Menschen spüren: „Ich werde gehört, meine Perspektive zählt, und was wir gemeinsam erarbeitet haben, hat Wirkung.“ Und es entsteht etwas, das sonst in Transformationsprozessen oft fehlt: Verständnis für die Bedürfnisse anderer. Und Empathie.
Worauf gilt es bei Co-Kreation zu achten?
Co-Kreationsprozesse sollten von den Initiatoren nicht als coole Workshop-Aktionen fürs Image missverstanden werden. Denn wenn Menschen sich engagieren und danach nichts passiert, kann das Vertrauen beschädigen. Co-Kreation braucht Klarheit: Wer entscheidet was? Wie geht’s nach dem Workshop weiter? Wie fließen Erkenntnisse ein? Ohne klare Verbindlichkeit bleibt Co-Kreation folgenlos. Ebenso wichtig ist es, neben der – sehr wichtigen – Meinung von Fachleuten auch das Wissen der Menschen vor Ort einzubinden. Sie sind „Alltagsexperten und -expertinnen“ und kennen die Realität oft genauso gut. Beides muss auf Augenhöhe zusammenkommen.
Sind partizipative Prozesse auch für Organisationen sinnvoll?
Absolut. Etwa, wenn zuvor getrennte Teams zusammengelegt werden. Das müssen die Teams gemeinsam gestalten: Ziele klären, Erwartungen aussprechen, gemeinsame Arbeitsweisen definieren. Das lässt sich nicht top-down anordnen. Gute Kooperation entsteht, wenn Menschen sie selbst und ihre eigenen Lösungen mitentwickeln — und darin liegt die eigentliche Kraft von Co-Kreation.
Erfahren Sie mehr über die Methode des Design-Thinking.
© Jessica Lerchenmüller