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{{postCount}} Und wie geht’s weiter?

Und wie geht’s weiter?

Die Gäste sind angereist. Und jetzt? Auch für die Mobilität vor Ort braucht es gute, innovative Konzepte. Wir zeigen unterschiedliche Verkehrsmittel und -elemente, die für touristische Destinationen infrage kommen

Bikesharing, Rufbus, Linienverkehr: Ein zukunftsfähiges Mobilitätskonzept ist nachhaltig, sichert im Idealfall die lückenlose intermodale Fortbewegung am Urlaubsort und reduziert den individuellen Pkw-Verkehr. Dadurch erhöht sich die Erholungsqualität. Weil die Nutzung von Mobilitätsdiensten durch Gäste auch für eine höhere Auslastung sorgt, lassen sich zudem Angebote realisieren, die allein mit der einheimischen Bevölkerung oft nicht rentabel wären. Von einer innovativen und nachhaltigen „touristischen“ Mobilität profitieren letztlich also alle – Gäste und Einheimische.

Fahrrad

Die Menschen steigen im Urlaub aus zweierlei Gründen aufs Fahrrad: Weil sie Radtouren oder gar Radreisen unternehmen, und weil sie das Rad als Transportmittel benutzen, etwa zum Semmelnholen oder zum Ausflug ins Freibad oder ins Museum. Ein Indiz für Letzeres sind Bulli- oder Wohnmobil-Urlaubende, die häufig mit den eigenen Bikes unterwegs sind, um die kleinen Strecken auf zwei Rädern zurückzulegen. Gäste, die radeln statt Auto zu fahren, verbessern die Aufenthaltsqualität einer Destination. Zum Umsteigen auf das Fahrrad motiviert unter anderem eine Infrastruktur mit gut ausgebautem Radwegenetz, Fahrradgaragen, Abstellmöglichkeiten auch an Bushaltestellen und touristischen Attraktionen sowie die Fahrradmitnahme in Bahn und Bus. Gäste, die ohne eigenes Rad anreisen, freuen sich über leicht zugängliche Leih- oder Sharing-Angebote, zu denen – gerade im ländlichen Raum mit seinen größeren Distanzen – auch E-Bikes und Cargobikes gehören könnten.

© Oberbayern.de / Aline Köhler
© Hindelang Tourismus / Wolfgang B. Kleiner

Rufbusse

Im ländlichen Raum werden Rufbusse immer populärer: Die meist elektrisch angetriebenen Kleinbusse gehören zur bedarfsorientierten Mobilität („Mobility on demand“) und ergänzen den Linienbetrieb im ÖPNV. Für Reisende ist das speziell auch zur Bewältigung der „letzten Meile“ zwischen (Bus-)Bahnhof und Unterkunft von Interesse. Rufbusse richten sich nach der Nachfrage, folgen also keinem festen Fahrplan und produzieren so keine teuren Leerfahrten. Auch die Haltepunkte sind flexibel. Das Bad Hindelanger EMMI-MOBIL etwa hat so viele virtuelle Haltepunkte festgelegt, dass kein Fleck im Ortsbereich weiter als 100 Meter vom nächsten Haltepunkt entfernt ist. Das schweizerische Appenzell bietet sogar einen Tür-zu-Tür-Service an. Rufbusfahrten lassen sich per App, über Websites oder – wie im Südtiroler Alta Badia, wo auch die ältere Bevölkerung in abgelegenen Weilern profitieren soll – klassisch per Telefon reservieren.

Linienverkehr

Innerhalb des ÖPNV gilt der Linienverkehr als Rückgrat der Mobilität. Es handelt sich um per Fahrplan geregelte Verbindungen zwischen Orten durch Bus und Bahn, in größeren Städten auch durch U-, S- und Trambahn. Damit das gut klappt, halten Fachleute Streckenführung, sinnvolle Taktung und Anschlussgestaltung für wichtig. Wie das in der Fläche funktionieren kann, zeigt das „PlusBus-System“ aus Mitteldeutschland: Es verbindet die Züge des Schienennahverkehrs systematisch, im Stundentakt und mit kurzen Umsteigezeiten mit weiterführenden Buslinien. Die Fahrgastzahlen in den Bussen haben sich dadurch laut der Betreiber um 86 Prozent erhöht. Vorteilhaft ist es zudem, wenn sich der Linienverkehr nicht nur auf Schul- und Bürozeiten konzentriert, sondern auch die touristische Nachfrage abdeckt. Von einem so ausgebauten, attraktiven Angebot profitiert auch wieder die Bevölkerung, speziell im ländlichen, strukturschwachen Raum.

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Taxis

Taxis haben im Mobilitätsmix weiterhin ihren Platz. Im ländlichen Raum lassen sie sich gut mit dem ÖPNV vernetzen. So können sie hier die Lücken im Nahverkehrsangebot schließen – etwa durch Fahrten zum ÖPNV-Tarif immer dann, wenn es keine Bus- oder Bahnverbindungen gibt. Das wird gerade im Landkreis Heidenheim getestet. Auch von den Kommunen definierte Festpreis-Tarife können Taxis attraktiv machen.

Sharing-Angebote

Um die Weiterentwicklung des klassischen Verleihmodells handelt es sich bei „Shared Mobility“: (E-)Autos und Fahrräder, Scooter und Mopeds können je nach Bedarf spontan, per App und von der Straße weg (also ohne Verleihstationen und bürokratischen Aufwand) für den individuellen Gebrauch gemietet werden. Sharing-Angebote sind im urbanen Raum bereits sehr populär und für urbane Zielgruppen Standard. Auch auf dem Land profitieren davon Menschen, die kurze Strecken zurücklegen müssen, etwa vom Bahnhof ins Büro. In der Fläche des ländlichen Raums gelten stationsbasierte Lösungen als sinnvoll, bei denen die Fahrzeuge an festgelegten Parkstationen abgeholt, zurückgebracht sowie vorbestellt werden können. In Städten hingegen werden häufig „free floating“-Lösungen gewählt, wo Fahrzeuge beliebig geparkt werden. Für die digitale Organisation haben sich Mobilitäts-Apps als effizient erwiesen, welche die unterschiedlichen Anbieter zusammenfassen und im Idealfall auch die Angebote des ÖPNV mit einschließen. Ein gutes Beispiel ist die Mobilitäts-App MVGO für München und Umland, die Sharing- und ÖPNV-Angebote in Echtzeit sichtbar macht. Die Fahrgäste sehen direkt, wie sie am schnellsten ins Ziel kommen. Und kaufen ihre Fahrt ganz einfach mit der App.

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Mitfahrbankerl

Sehr analog und sehr sympathisch sind die auffallend lackierten Sitzbänke, die vor allem im ländlichen Bereich an stark befahrenen Straßen zu finden sind und auf diese Weise deutlich machen, dass die dort Sitzenden mitgenommen werden möchten. Oft signalisieren Schilder das Fahrtziel. Mitfahrbankerl eignen sich der schlechten Planbarkeit wegen nicht für Menschen mit Terminen, umso mehr jedoch für Gäste, die etwas erleben und Land und Leute kennenlernen wollen. Sie dienen dem Miteinander und der Akzeptanz und können das i-Tüpfelchen im touristischen Mobilitätsmix sein.

Ridepooling

Auch die digitale Form der klassischen Sammeltaxis ist durch Nachfrage gesteuerte „Mobility on demand“: Ridepooling bündelt die Nachfrage mehrerer Fahrgäste, die in dieselbe Richtung wollen. Die Koordination erfolgt über Apps. Wie das im urbanen Raum funktioniert, zeigt der Ridepooling-Service MOIA, der bereits in Hamburg und Hannover aktiv ist. Ridepooling-Fahrten dauern meist etwas länger als mit dem klassischen Taxi, weil unterwegs weitere Fahrgäste eingesammelt werden, kosten dafür aber deutlich weniger. Für Destinationen liegt der Vorteil gegenüber dem normalen Taxi darin, dass weniger Autofahrten stattfinden, was Verkehr, Lärm und Emissionen reduziert. Ridepooling-Angebote können in einer Destination eine sinnvolle Ergänzung zu Linienverkehr und klassischen Taxiservices darstellen.

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Mobility Hubs

Ein funktionierendes Mobilitätskonzept braucht gut zugängliche Knotenpunkte für den nahtlosen, zeiteffizienten und komfortablen Wechsel zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln. Solche digital organisierten, physischen Orte, an denen mehrere Verkehrsmittel zusammenkommen, heißen Mobility Hubs. Menschen können hier von der Bahn ins Leihauto umsteigen, vom Bus aufs Sharing-Bike, vom Sammeltaxi auf den E-Scooter. Sie können Ladeinfrastruktur und Warteräume nutzen. Mobility Hubs können Bahnhöfe, Haltestellen oder Parkplätze sein, die um zusätzliche Mobilitätsangebote erweitert wurden. Sie können auch eigens entwickelte Stationen sein. Um ihre Attraktivität und soziale Bedeutung zu erhöhen, schlagen Städteplanende vor, die Hubs um Funktionen wie Paketabholstationen, Cafés, Co-Working-Spaces, Spielplätze oder Fahrradwerkstätten zu erweitern. Mobility Hubs bieten außerdem architektonischen Spielraum zur Aufwertung von Ortsbildern.

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