Die BayernCloud: ein digitales Datenkarussell

So funktioniert die BayernCloud

Zufriedene Gäste, die jederzeit richtig informiert sind. Gastgeber*innen, die bestens organisiert sind, effizient arbeiten und Zeit für das herzliche Umsorgen der Gäste haben. Eine perfekt vernetzte Tourismusbranche, die synergetisch arbeitet, Ressourcen sinnvoll nutzt und nachhaltige Urlaubserlebnisse ermöglicht. So sieht der weiß-blaue Tourismushimmel aus. Und der könnte dank der BayernCloud bald Wirklichkeit werden. Die BayernCloud, das bislang umfangreichste und wichtigste Digitalprojekt der BayTM, ist eine zentrale Datendrehscheibe, die alle für den Tourismus in Bayern rele­vanten Daten als Open Data zusammenbringt und auch wieder ausspielt.

Die dezentrale Organisation kostete Zeit und Geld

Dieses Wissen war der Destination oder vielleicht noch dem Alpenverein vorbehalten. Unter dieser unübersichtlichen Situation litten nicht nur Reisende auf der Suche nach zuverlässigen Auskünften, sondern auch die touristischen Leistungsträger, die angesichts der wachsenden Anzahl an Ausspielungskanälen und Schnittstellen ebenfalls an ihre Grenzen gerieten. Daten wurden gar nicht, nicht richtig oder auch mal doppelt eingepflegt oder gingen verloren. Das kostete Zeit und Geld. Diesem Zustand, der Innovation und Fortschritt im Tourismus bremste, bereitet die BayernCloud nun ein Ende. Die Cloud sammelt alle relevanten Daten, überprüft ihre Qualität, sorgt dafür, dass sie von allen Interessierten auch wieder abgerufen und genutzt werden können. Ein Beispiel: Das fiktive Gasthaus „Specht“ hält Öffnungszeiten und Speisekarte nicht mehr nur auf der eigenen Website fest, sondern füttert damit – unter Berücksichtigung der vorgegebenen Standards, siehe dazu das Interview mit Markus Garnitz auf der nächsten Seite – die BayernCloud. Danach braucht es sich um nichts mehr zu kümmern. Denn sowohl die zuständige Destinationsmana­ge­mentorganisation als auch die Reservierungs-App und die Vegetarier-App müssen ihrer­seits nur noch die BayernCloud anzapfen, um an die aktuellen, ordentlich strukturierten „Specht“-Daten zu kommen.

Was jetzt gefragt ist: Daten auf Vordermann bringen

Grundsätzlich können alle in der Cloud präsenten Daten dynamisch und in Echtzeit ausgetauscht werden, sind jederzeit verfügbar, können beliebig neu kombiniert werden. Die Vorteile für die Leistungsträger liegen auf der Hand: Weniger Aufwand bei der Datenverarbeitung, mehr Sicht­barkeit – und zufriedene Gäste, die alle Infos online gefunden haben und nicht am Ruhetag hungrig und grantig vor verschlossener Tür stehen.

Aktuell bindet die BayTM die touristischen Datenbanken der Regionalverbände an die Cloud an. Danach sind die einzelnen Destinationen sowie bayernweite Themendatenbanken an der Reihe. User der großen Destinationssysteme müssen sich zunächst um gar nichts kümmern – sie werden direkt über ihre Systemanbieter angebunden. Andere Destinationen oder touristische Akteur*innen sind jetzt erst einmal gefragt, die Qualität ihrer Daten zu überprüfen.

Gibt es Lücken, gibt es Doubletten? Erfüllen die Datensätze die Anforderungen an Vollständigkeit, Aktualität, Richtigkeit, Eindeutigkeit und Konformität? Sind sie frei nutzbar (das gilt für Texte, Fotos, Videos etc.)? Das Team hat dazu den „Leitfaden zur Nutzung der BayernCloud“ entwickelt, der regelmäßig aktualisiert wird und online heruntergeladen werden kann. Er erklärt die wichtigsten Begrifflichkeiten und gibt Antworten auf alle Fragen rund um die Belieferung und Nutzung der BayernCloud.

Doch die BayernCloud steht nicht nur für maximal optimierten Datenaustausch. Sie steht auch für die Zukunft des Tourismus. Denn strukturierte Daten wie Wetterberichte oder Auslastungsdaten in Echtzeit, wie sie von Sensoren ermittelt und von der BayTM schon in der zweiten Jahreshälfte 2022 in die Cloud eingespeist werden sollen, sind auch Basis für die Entwicklung digitaler Assistenten, Chatbots und anderer Anwendungen, die auf künstlicher Intelligenz beruhen und der Besucherlenkung dienen. Die wiederum ist eine wichtige Grundlage für einen nachhaltigen, zukunftsgerichteten Tourismus.

Bayerns großer Beitrag zum Knowledge Graphen

Last but not least ist die BayernCloud auch der weiß-blaue Beitrag zu dem touristischen Knowledge Graphen, wie er als Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT), der Landesmarketingorganisatio­nen und der Magic Cities angestrebt wird. In diesem Knowledge Graphen – eine ähnliche Technologie nutzt Google zur strukturierten Darstellung von Informationen – sollen die touristischen Daten ganz Deutschlands sinnvoll gebündelt werden. Bald schon müsste also ein Reisender nur „Almhütte, Karwendel, Kaiserschmarrn“ googeln. Und erhielte als unmittelbares Ergebnis nicht nur die Auflistungen sämtlicher Hütten samt Öffnungszeiten und empfohlenen Wanderwegen, sondern auch Wettervorhersage, Speisekarte – und den Tipp, sich besser nicht am nächsten Sonntag auf den Weg zu machen, wenn Almabtrieb ist und Überfüllung droht. Sondern stattdessen lieber auf die gemütliche Steinhütte im Bayerischen Wald zu wandern. Über deren Kaiserschmarrn bei Tripadvisor die vollen fünf Sterne funkeln.

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